Klettern im Grödnertal vom 09.09. – 14.09.2012

3 alpine Mehrseillängen-Routen im IV. Grad / 2 Klettersteige 

012_KopieSommer und Winter- und das alles in einer Woche. Die Kletterwoche im Grödnertal begann bei sommerlichen Temperaturen, überstand einen Wettersturz nach Regen und Schnee und endete schließlich bei strahlendem Sonnenschein – jedoch bei frostigen Temperaturen. Insgesamt konnten wir drei alpine Mehrseillängentouren und zwei Klettersteige gehen. Unterkunft war das Hotel Kristiania in St. Christina – ein guter Ausgangspunkt für die Touren. Für Stefan war es der erste Ausflug in die Welt alpiner Klettertouren. Er hat einiges geboten bekommen. Aufgrund Stefans noch fehlender Erfahrung sowie der Wetterlage haben wir uns entschlossen, Routen mit Südseite und bekanntem Abstieg zu klettern. 

Es war eine super Woche, trotz des Wettersturzes. Unterkunft, Essen und Routen waren durchaus dazu angetan, noch öfter hierher zu fahren. 

 

Geklettert sind wir am Piz Chiavazes: 

011_KopieKleine Micheluzzi IV+: Je nach Führer ist die Tour zwischen IV+ und V- angegeben. An ein oder zwei Stellen mag die V- gegeben sein, sonst bewegt sie sich jedoch im III und IV. Grad. 

Rossi/Tomasi IV: Der Routenverlauf ist aus den vorhandenen Topos nicht immer klar erkennbar. Die Route ist an einigen Stellen schwerer als IV. Die vorhandenen Haken sind nicht ausreichend zur Sicherung. Keile und Friends lassen sich zwar gut legen, das Gestein ist jedoch so brüchig, dass die Zuverlässigkeit der eigenen Sicherungen nicht immer gegeben ist. Die Schwierigkeiten sind anhaltend. Eine trotz allem wunderbare Tour mit abwechslungsreichen Abschnitten und Anforderungen. 

Rampenführe IV: Insgesamt sind die IV-Schwierigkeiten dieser Route „leichter“ als die IVer der beiden anderen Routen. Die Schlüsselstelle ist ein enger Risskamin, der sich jedoch gut löst und aufgrund der Kürze keine echte Herausforderung darstellt. Der Routenverlauf ist einfach gerade aus hoch, dennoch ist es aber oft schwierig im blockigen Gelände Haken und Standplätze zu finden. 

Alle Routen sind südseitig ausgerichtet. Der Abstieg erfolgt übers sog. Gamsband, auf dem alle Routen enden. Man geht Richtung Westen auf einem kleinen Pfad, der über einige Schotterfelder (nach Regen etwas heikel) führt. Ein Drahtseil versichert einige ausgesetzte Stellen, bei denen auch ein kleiner Durchschlupf überwunden werden muss. Das Band führt schließlich leicht bergan. Am ersten Schotterfeld, das in einer Linkskurve liegt und nach unten führt, wird abgestiegen. Am Ende des Schotters geht der Weg weiter, führt über zwei Kletterstellen II und gelangt schließlich an eine Stelle (III), an der entweder ca. 15 m abgeseilt oder abgeklettert werden kann. Wer seine Kletterausrüstung anbehalten hat, seilt schnell ab. Eine weitere, längere Abseilstelle (kein Abklettern möglich) ist weiter unten, nach zwei weiteren kleinen Stellen (I und II), an denen wenige Meter abgestiegen werden muss. Nach der letzten Abseile ist man am Fuß des Piz und ein Weg führt zurück zum Parkplatz. 

 

Klettersteige: 

019_KopieKleine Cirspitze: Nach zwei schönen Tagen zog ein Schlechtwettergebiet durch den gesamten Alpenraum. Da es am Vormittag noch einigermaßen trocken blieb, entschlossen wir uns, den Klettersteig zur kleinen Cir-Spitze zu machen. Eine gute Entscheidung. Die Seilbahn Danterpieces brachte uns fast bis an den Fuß der kleinen Cir-Spitze. Bereits der Zustieg war mit kleineren Klettereinlagen gespickt und machte viel Spaß. Der eigentliche Klettersteig ist kurz, aber fein: Die Route ist so gestaltet, dass man größtenteils über den Fels geht und nur selten Drahtkontakt benötigt. Der Abstieg erfolgt auf einer anderen Route, ist versichert und ebenfalls sehr gut in den Fels eingepasst. Wir schafften es genau zu Regenbeginn in die Bergstation und sahen bei leckerem Essen und heißen Getränken dem immer stärker und kälter werdenden Regen zu. 

020_KopieAverau: Am nächsten Tag waren Gipfel und Bäume in Schnee getaucht. Es war eiskalt (2 Grad auf dem Sellapass), und wir entschlossen uns, ein wenig durch die Gegend zu fahren und einen Klettersteig zu gehen. Wir glaubten, ein kurzer Steig müsste auch in Eis und Kälte machbar sein. Schließlich landeten wir auf dem Averau bei den Cinque Torri. Die Auffahrt mit der Seilbahn war recht frisch, also stärkten wir uns erst einmal in der gemütlichen Scoiatolli Hütte. Beim Aufstieg zum Averau war es windig, so dass wir froh um Mützen und Handschuhe waren. Der Klettersteig selbst war wunderbar in Eis getaucht. Lange Eiszapfen hingen dekorativ von Fels und Draht, teils war der Draht auch am Fels festgefroren. Brr. Wir sind tapfer hoch, doch oben zog die nächste Schneewolke heran, so dass wir flugs wieder umkehrten. Im Schneegestöber gings zurück zur Seilbahn und ab ins warme Auto. 

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